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Dossier

Die Vorgänge um die pauschale Ächtung aller ehemaligen Angehörigen der Legion Condor und die darauf fußende Entfernung von Werner Mölders aus der Tradition der Bundeswehr wurden in einem Dossier dokumentiert. Es behandelt den Bundestagsbeschluss vom 24.04.1998, die am 28.01.2005 vom Bundesminister der Verteidigung entschiedene “Umbenennung” des Jagdgeschwaders 74 Mölders, die am 11.03.2005 in einem unwürdigen Appell durchgeführte Aberkennung des Traditionsnamens “Mölders” sowie die frühzeitigen Bemühungen um Revision von Bundestagsbeschluß und Ministerentscheidung.

Mit dem Dossier begannen umfangreiche Arbeiten für eine zeitgemäße Traditionsbildung. Die MöldersInfo, das Buch “Jagdflieger Werner Mölders - Die Ehre des Menschen reicht über den Tod hinaus” und die Mölders Biographie von Kurt Braatz gehören dazu.  Hier der Link zum Moelders_Dossier_Mai2005.

Die MGFA-Lüge: Ein_starkes_Stuck

 

Die Fälschung: Corbera d`Ebre

 

Eilfertiges Sondergutachten

Im Fall Mölders gibt es zwei maßgebliche Vorgänge, die Bundestagsentschließung  von 1998 zur Ächtung der Legion Condor - auf sie berief sich Verteidigungsminister Dr. Struck (siehe Der Bruch) - und ein Sondergutachten des dem Ministerium unterstellten Militärgeschichtlichen Forschungsamtes - es unterstützte die Kampagne zur persönlichen Diffamierung von Mölders. Es war Teil eines Pakets von Stellungnahmen zur Traditionswürdigkeit von Persönlichkeiten, nach denen Kasernen oder Verbände der Bundeswehr benannt waren bzw. noch sind. Als einziger Beitrag zu diesem ansonsten sehr kurz gefassten Kompendium wurde es in Form einer etwa 40-seitigen Studie abgefasst und war auf die Entfernung von Mölders aus der Tradition ausgerichtet. Auftragsgemäß sollten dazu die “neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse” genutzt werden, wozu ungefähr sechs Wochen Bearbeitungszeit zur Verfügung standen.

Schon 2004 war klar: Neue Erkenntnisse wurden in der Kürze nicht gewonnen, so dass der Gutachter, Oberstleutnant Dr. Wolfgang Schmidt, sich auf schnell zugängliche Quellen konzentrierte und diese neu interpretierte. Dabei kam er zu keinem abschließenden Ergebnis, stellte aber auch nicht die Undurchführbarkeit des erteilten Auftrags fest, wie es ein der Sache verpflichteter Wissenschaftler hätte tun müssen. Statt dessen versuchte er sich an einer sogenannten “Näherung”, indem er sich an die Antifa-Propaganda zum Spanischen Bürgerkrieg anlehnte (siehe Guernica und oben rechts: Die Fälschung), Mölders Vaterlandsliebe im Sinne des Nazi-Regimes umdeutete  und diesem die politischen Verhältnisse im Dritten Reich moralisch anheftete. Da Mölders´ tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben nicht zu widerlegen war, behauptete Schmidt schließlich, dass “die” Katholiken” im Dritten Reich aus “Pflichtbewußtheit” und in Loyalität zum NS-Staat “für Adolf Hitler zu den Waffen gegriffen” hätten (siehe oben rechts: Die MGFA-Lüge).

Das Sondergutachten wurde schon, als es auf Weisung des Verteidigungsministeriums noch unter Verschluss zu halten war, Gegenstand heftiger Kritik aus Öffentlichkeit, Bundeswehr, Politik und Geschichtswissenschaft. Dennoch wurde es unkommentiert als amtliches Dokument ins Internet gestellt, am 10.11.2008 jedoch nach einer Intervention des Generalinspekteurs der Bundeswehr entfernt.                       

Falsches “Basta!”

Die Art und Weise, wie der “Entnamungs”-Appell beim Jagdgeschwader 74 `Mölders´ am 11.03.2005 unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattgefunden hat, wirft ein Schlaglicht auf den Stand der Inneren Führung der Bundeswehr und des Leitbilds vom Staatsbürger in Uniform. Beide liegen in der gemeinsamen Verantwortung von Parlament, politischer Leitung und militärischer Führung. Sie müssen die Frage beantworten, wie das Verhältnis zwischen dem Primat der Politik und dem Gehorsam von Streitkräften heute zu verstehen ist, denn der vorgesetzte Divisionskommandeur - seinerseits den ihm von der Luftwaffenführung  erteilten Auftrag befolgend - hat den angetretenen Soldaten des Geschwaders diese förmliche Weisung erteilt:

“Hierzu halte ich ... fest, dass es uns als Teil der Exekutive nicht zusteht, Entscheidungen des Deutschen Bundestages, wie immer diese auch entstanden oder ausgefallen sind, in Frage zu stellen. Ich möchte das in aller Deutlichkeit hier sagen, denn dieser Grundsatz schließt alle weiteren Diskussionen im dienstlichen Bereich über das Zustandekommen dieses Entscheids aus.“

 

  Hier der Originalton dieser unrechtmäßigen Weisung.

 

Bedauerlicher Ausgang

Die eigentliche, also politische Entscheidungslage im Fall Mölders kann hier gezeigt zu werden. Auf die Eingabe eines hochrangigen ehemaligen Luftwaffenoffiziers an den Verteidigungsminister antwortete der Inspekteur der Luftwaffe in dessen Auftrag (auszugsweise Wiedergabe, Hervorhebungen redaktionell):

“Für ihr Schreiben vom 6. Februar 2005 an den Bundesminister der Verteidigung ... danke ich Ihnen im Namen von Minister Dr. Struck. Er hat mich gebeten, Ihnen zu antworten ...

Wie Sie in Ihrem Brief richtig feststellen, geht die Entscheidung ... auf den Beschluß des Deutschen Bundestages vom April 1998 zurück. Danach sind, unabhängig von persönlicher Verstrickung, ehemalige Angehörige der Legion Condor nicht mehr für Namenspatenschaften ... zuzulassen.

Nach erneuter Aufforderung durch den Bundestagspräsidenten (Anm.: Thierse) hat Minister Dr. Struck im Januar Weisung erteilt, diesen Beschluß ... umzusetzen.

Minister Dr. Struck hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Es gingen ihr verschiedene Gespräche mit mir, mit dem Präsidenten der Gemeinschaft der Jagdflieger, Generalleutnant a.D. Kuebart, und - wie Sie in Ihrem Brief auch erwähnen - dem Vorsitzenden der Mölders-Vereinigung, Oberst a.D. Ruppert, sowie Angehörigen der Familie voraus. (Anm.: nach hiesiger Kenntnis handelt es sich nur um ein Mitglied der Familie, das u.a. den Minister an seinem Wohnsitz unmittelbar aufgesucht und zur Korrektur der Entscheidung aufgefordert hatte.) ...

Ich selbst konnte die Betroffenheit der Angehörigen des Jagdgeschwaders 74 spüren, als ich ihnen kürzlich die Entscheidung erläutert und Fragen hierzu beantwortet habe. ...

Leider ist es mir nicht möglich, Ihnen das nur für den internen Gebrauch bestimmte Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes zur Verfügung zu stellen (Anm.: tatsächlich war es bereits vielerorts  vorhanden). Ich kann nur wiederholen, was Minister Dr. Struck auch gegenüber Frau Petzolt-Mölders zum Ausdruck brachte: Für die erteilte Weisung zu Mölders ist nur die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses und keinerlei persönlicher Hintergrund zur Person Werner Mölders ausschlaggebend.

Deshalb kann auch die bisherige Zusammenarbeit mit der Mölders-Vereinigung e.V. fortgesetzt werden. ...”

Ein Jahrzehnt später: Revision und Rehabilitation!

Es war vielen an der Geschichtswissenschaft Interessierten und zugleich in der Traditionsbildung der Bundeswehr Engagierten nicht gleichgültig, was Ideologie und Parteipolitik mit dem Fall Mölders erreichen wollten und in seinem Fall vorerst erreicht hatten. Über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren gab es vielfältige Bemühungen, um falsche Aussagen des MGFA-Gutachtens von 2004 richtig zu stellen und Werner Mölders charakterlich, als Mitbürger und Soldat zu rehabilitieren. Die meisten Aktivitäten entzogen sich der Öffentlichkeit; die von der Familie Mölders zusammen mit der Mölders-Vereinigung e.V. ausgerichtete Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Werner Mölders am 18. März 2013 auf dem Invalidenfriedhof von Berlin sowie die Publikationen von Hagena und Braatz (siehe Besonderes Buch und Biographie) gehörten zum öffentlichkeitswirksamen Teil.

Dabei gewann das berechtigte Interesse der Familie Mölders an einer “amtlichen” Klarstellung an Gewicht - was gilt:

Die Feststellung des Ministers, dass es keine in der Person liegenden Gründe gab, sondern allein um die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses von 1998 zur Legion Condor ging?

Oder dass die negativen Bewertungen des MGFA-Gutachtens von 2004 maßgeblich waren, wie es parallel dazu aus der Leitung des Verteidigungsministeriums in öffenlichen Äußerungen dargestellt wurde?

Die Aktivitäten der “Mölderianer” waren nicht darauf gerichtet, Mölders als Namensgeber in die Bundeswehr-Tradition zurückzuholen - “Hü und hott” nützen einer tragfähigen Traditionsbildung der Bundeswehr nicht, schon gar nicht mit Blick auf die davon betroffene Truppe. Dagegen wurde mit Nachdruck die persönliche Rehabilitierung von Werner Mölders verfolgt, um jedweder pauschalen Ächtung von Soldaten zu widersprechen und der Würde Verstorbener, die sich selbst gegen Anschuldigungen nicht mehr wehren können, Geltung zu verschaffen. Dies entsprach auch dem Anliegen der Familie Mölders, die sich durch das Gutachten von 2004 in ihrer Reputation beschädigt sah. Die Seite Der Bruch erläutert die Zusammenhänge.

        Schon  2005 wurde eine Klarstellung durch das Amt des Bundestagspräsidenten erreicht, dass der Bundestagsbeschluss von 1998 eine Entschließung war, die - wie alle solchen Entschließungen - die Regierung rechtlich nicht bindet. Die Weisung zur Entfernung von Werner Mölders aus der Bundeswehr-Tradition beruhte also auf der persönlichen Entscheidung des Ministers; er war dazu nicht gezwungen. Oft wurde das Gegenteil behauptet.

         2009 stellte Oberst Dr. Heinemann vom MGFA in der damaligen Monatsschrift “Zeitungszeugen” öffentlich klar, was schon längst als Stand der Geschichtswissenschaft galt, nämlich dass der Luftangriff auf Guernica auf ein kleinräumiges Ziel, die Brücke von Renteria, ausgerichtet war. Siehe dazu Guernica und Glosse 3.09. Mit anderen Worten: Es ging nicht, wie von der Antifa-Propaganda behauptet, um einen Flächen- und Terrorangriff, sondern um ein normales taktisches Vorgehen. Die Veröffentlichung blieb zwar weitgehend unbeachtet, ist aber trotzdem brisant. Sie erschüttert die Grundlage des Bundestagsbeschlusses von 1998 und setzt sich damit auch vom Gutachten aus 2004 ab.

Im inhaltlichen Zusammenhang mit dieser Veröffenlichung steht ein Interview Heinemanns mit der “Lüneburger Zeitung” - unweit des Wohnorts von Dr. Struck -, in dem er bestätigt, dass der Gutachter 2004 nicht auf neue geschichtswissenschaftliche Fakten zurückgreifen konnte. Vielmehr habe er Bekanntes neu bewertet. Das ist eine wohlwollende Umschreibung der vom Gutachter abgelieferten Fehlleistung; aber das MGFA widerspricht damit der gegenteiligen Aussage des Parlamentarischen Staatssekretärs Kolbow im Bundestag auf die Kleine Anfrage der FDP von 2005 zum Fall Mölders.

Im Herbst 2010 erschien in der renommierten US-Publikation “Global War Studies” eine eingehende Analyse des Gutachtens von 2004. Der international bekannte Historiker Dr. Klaus Schmider (Sandhurst/Großbritannien) beurteilte es als hinfällig, weil es wissenschaftliche Standards weit verfehlt. Und sein Verfasser, offenbar kein ausgewiesener Luftkriegsexperte, habe sich - so liest es sich sinngemäß - beim Thema Legion Condor übernommen. Dieser Verriss machte das Gutachten in der Geschichtswissenschaft endgültig unhaltbar. Gleichwohl wurde die Auseinandersetzung in den “Global War Studies” vom MGFA-Historiker Lemke mit einer Pauschalverurteilung aller Wehrmachtsoldaten, die “an Hitlers Vernichtungskrieg beteiligt” waren, fortgeführt; Dr. Hagena und Dr. Braatz  antworteten mit den notwendigen Richtigstellungen zu Mölders. Der Vorgang zeigt die internationale Dimension und grundsätzliche Bedeutung der Ministerentscheidung Dr. Strucks von 2005. Bei der oben erwähnten Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Werner Mölders hat Dr. Schmider seine Analyse in einem auführlichen Vortrag wiederholt.

          Die über fast ein Jahrzehnt wiederholten Versuche, das MGFA (bzw. dessen Nachfolger Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, ZMSBw) zu einer neuen Bewertung der Person Werner Mölders zu bewegen, sind immer wieder fehlgeschlagen. Vom Oberhaupt der Familie Mölders, Werners Neffen Viktor Mölders, um die Beendigung dieser Hängepartie ersucht, antwortete Minister Dr. de Maizière, dass er pauschale Verurteilungen von Soldaten für falsch hält, und bot ein Gespräch mit dem ZMSBw über die “offenen geschichtswissenschaftlichen Fragen” an. Viktor Mölders hat dies, unterstützt durch drei mit Historie und Sache vertraute “Mölderianer”, im Frühjahr 2014 in Potsdam wahrgenommen. Zu der gewünschten Diskussion über konkrete Fragestellungen kam es dann zwar nicht, aber die Leitung des ZMSBw erklärte förmlich, das ZMSBw würde sich zu der Feststellung, dass “Werner Mölders bereits rehabilitiert” ist, nicht öffentlich äußern!

          Auch wenn dies ein deutlicher Fingerzeig war, konnte es dem Ziel einer öffentlichen Rehabilitierung der Person Werner Mölders noch nicht genügen. Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat schließlich den Weg zu einem Ergebnis geebnet, das zwar hinter dem Wünschbaren zurückbleibt, aber zu der Klarstellung führte, dass die Begutachtung von 2004 hinfällig ist: Es gilt allein die Entscheidung des Ministers und die mit ihr verbundene Begründung. Widersprechende Äußerungen aus der damaligen Ministeriumsleitung sind deshalb gegenstandslos.

Als Instrument wurde hierfür ein Namensartikel gewählt, den der Kommandeur des ZMSBw, Oberst Dr. Mack, im Auftrag des Ministeriums geschrieben und in der ZMSBw-Heftreihe “Militärgeschichte”, Ausgabe 4/14 veröffentlicht hat. Diese Hefte werden in 17.000 Exemplaren gedruckt und in der Bundeswehr verteilt. Der Artikel befasst sich allgemein mit Namensgebungen in der Bundeswehr und zwar an drei Beispielen - Dietl, Mölders und Rommel. Er behandelt den Fortschritt in der Geschichtswissenschaft sowie den Wandel der Maßstäbe und Faktoren, nach denen sich die Auswahl traditionsgebender Persönlichkeiten, Ereignisse und Entwicklungen bestimmt. Aussagen des ZMSBw, die sich konkret auf den Fall Mölders beziehen, umfassen insbesondere

  1. die Feststellung, dass die Entfernung von Werner Mölders aus der Bundeswehr-Tradition ideologisch und parteipolitisch bestimmt war.
  2. die Wiederholung, dass der MGFA-Gutachter sich 2004 nicht auf neue Erkenntnisse stützen konnte, sondern allseits Bekanntes neu bewertete.
  3. die Bekräftigung, dass Werner Mölders nach dem Zweiten Weltkrieg nie mit Kriegsvergehen in Verbindung gebracht werden konnte.
  4. die Bewertung, dass die Begutachtung von 2004 durch neue Erkenntnisse überholt und damit hinfällig ist.
  5. den Hinweis auf neuere Publikationen, die den heutigen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisstand repräsentieren.

Leider hat sich der Verfasser nicht dazu durchringen können, den aktuellen Erkenntnisstand wenigstens kurz zu skizzieren und einen Eindruck vom heutigen Mölders-Bild zu vermitteln. Dies bleibt den Publikationen von Hagena, Braatz und anderen wie auch der MöldersInfo überlassen.

Nach der Veröffentlichung des Artikels in “Militärgeschichte” 4/14 kam es zunächst darauf an, die am meisten betroffene Truppe - das Taktische Luftwaffengeschwader 74, ehemals Jagdgeschwader 74 “Mölders” - über den Sachstand zu unterrichten und zwar mit ausführlicheren Informationen als im Heft des ZMSBw dargelegt werden konnten. Dazu ist in der Märzausgabe 2015 der Verbandszeitschrift des Geschwaders “Der Mölderianer”, die zusammen mit der Mölders-Vereinigung e.V. herausgegeben wird, ein vierseitiger Artikel erschienen. Er beschreibt mit der gebotenen Zurückhaltung - es wurde bei allem Protest gegen die amtliche Vorgehensweise im Fall Mölders stets Wert darauf gelegt, die aktive Truppe aus öffentlichen Debatten herauszuhalten - die Abläufe und Erkenntnisse, die zur persönlichen Rehabilitierung von Werner Mölders führten. Er enthält aber auch die mutigen Aussagen, die für die Truppeninformation notwendig sind. Hier wird der letzte Absatz “Was bleibt nun?” wiedergegeben:

Erstens der Bundestagsbeschluss von 1998. Nachvollziehbar bleibt, dass das Parlament anlässlich des 60. Jahrestages der Bombardierung Guernicas an die Gräuel des Krieges erinnern und die Rolle der Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg verurteilen wollte. Zum gleichen Anlass hatte sich auch der damalige Bundespräsident Herzog geäußert und seine `Hand mit der Bitte um Versöhnung´angeboten. Zu bedauern ist jedoch, dass die in den Beratungen des Beschlussantrags im Innenausschuss mit Mehrheit der CDU/CSU und FDP zunächst gestrichene Passage zu Kasernenbenennungen, die ausschliesslich Werner Mölders betraf (Anm.: Der ja am Angriff auf Guernica gar nicht teilgenommen hatte.), aufgrund der nicht repräsentativen Mehrheitsverhältnisse wieder Teil des Bundestagsbeschlusses wurde und dies durch die Mehrheit des Deutschen Bundestages später nicht revidiert wurde.

Zweitens die Entscheidung von Verteidigungsminister Dr. Peter Struck von 2005, dass Mölders in der Bundeswehrtradition nicht mehr als Namensgeber in Frage kommte. Aber: Soweit diese Entscheidung nicht als ausschließlich politisch vertreten wurde, sondern mit dem Gutachten des MGFA - das nicht erst nach heutigen Erkenntnissen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügte -, steht nun fest, dass damit die Person Werner Mölders zu Unrecht diffamiert worden war.

Drittens die Erkenntnis, dass es für unsere staatlichen Institutionen offensichtlich sehr schwer zu sein scheint, getroffene Entscheidungen zu revidieren, selbst wenn sie sich als Pauschalverurteilung und persönliche Stigmatisierung erweisen.

Viertens die Genugtuung, dass mit Hartnäckigkeit und Geduld eine Korrektur von begangenem Unrecht dennoch möglich ist. Die `Mölderianer´haben die Familie Mölders auf diesem zehn Jahre dauernden Weg beharrlich und mit Überzeugung unterstützt. Wir können endlich feststellen:

Werner Mölders ist als Mensch und Soldat rehabilitiert!”

Ein entsprechender Artikel ist im “Fliegerblatt”, dem Organ der Gemeinschaft der Flieger deutscher Streitkräfte e.V., erschienen. Den Text finden Sie hier: 10 Jahre später. Mit dem Fliegerblatt wird eine bundesweite Verbreitung unter aktiven und ehemaligen Offizieren der Luftwaffe und darüberhinaus erreicht. Die Bevölkerung im Raum Neuburg/Donau wurde anlässlich des 21. Mölders-Treffens (am 18./19.09.2015 beim Taktischen Luftwaffengeschwader 74) durch diesen Artikel an die Zusammenhänge erinnert: Donaukurier

Was fehlt?

Das ZMSBw beschreibt klar, dass der Bundestagsbeschluss von 1998 ideologisch begründet war und zwar im Sinne der Antifa-Propaganda, die auf eine Pauschalverurteilung der Legion Condor abzielte. Die bekannten Quellen sprechen aber dafür, dass die Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg regulär und unter Beachtung des Kriegsvölkerrechts gekämpft hat. Dies aufzuarbeiten und in der politisch-historischen Bildung zu vermitteln, konnten die genannten Veröffentlichungen nicht leisten, bleibt jedoch eine wissenschaftliche und politische Verpflichtung. Dabei geht es nicht nur um die Rehabilitierung zu Unrecht Verleumdeter, sondern auch und noch mehr um die Maßstäbe, nach denen wir politisch-historische Bildung und Traditionspflege betreiben sollten. Hierzu wird noch einmal auf Guernica ? verwiesen.